Salzburg – Salzburg Museum oder WoDi verspricht viel, kann aber nur wenig halten

Nach der wunderbaren musealen Erfahrung im Keltenmuseum Hallein mit seinem URzeitenwurm kUrt, waren wir zuversichtlich im Salzburg Museum in der Neuen Residenz einen ähnlich entspannten und informativen Familientag erleben zu können. Insbesondere, da Hallein seit 2012 ja zum gleichen Museumsverband gehört und wir auf der Homepage zum Salzburg Museum auch den Hinweis auf die für dieses Museum speziell entworfene Kinder-Welt gefunden haben. Auch hier gab es mit dem Museumswolf Dietrich (WoDi) eine nach dem Salzburger Fürsterzbischof Wolf Dietrich benannte Figur, die die Kinder durch das Museum begleit. Und an vielen Stationen mit seinem Zeichen sollte es etwas zum Spielen, Zeichnen, Ausprobieren und Mitmachen auch für die jungen Besucher geben. Also ließen wir uns von dem doch etwas gehobenen Eintrittspreis nicht schrecken und machten uns am vergangenen trüben Sonntag auf nach Salzburg.

Da mit kleinen Kindern Audioguides erfahrungsgemäß nicht wirklich genutzt werden können, verzichteten wir am Einlass auf die im Preis inkludierten Geräte. Allerdings nahmen wir je ein Exemplar des ebenfalls kostenfreien Begleitheft für Kinder mit, das praktischer Weise sogar um den Hals gehängt werden kann. Salzburg Museum - Panorama PassageDirekt hinter dem Eingang kamen wir dann auch schon an die erste WoDi-Station, die von den Kindern mit Begeisterung wahrgenommen wurde. Wir Eltern waren aber doch etwas enttäuscht, da es sich lediglich um eine Stempelstation handelte und obwohl es noch mehrerer solcher Salzburg Museum - WoDi Begleitheft für die Kinder WeltStationen im Laufe des Museumsbesuchs geben sollte, waren im Begleitheft keine thematisch eingebundenen Stempelflächen vorgesehen, sondern die Stempel sollten schlicht auf der Innenseite des Deckels gesammelt werden. Und wie sich im Laufe des Rundgangs herausstellte, hatten die Motive nicht mal einen Bezug zum jeweiligen Stationsthema, sondern waren augenscheinlich ehr willkürlich aus einer Reihe von Kinderstempeln gewählt.

Der ebenerdig direkt anschließenden Raum war dann erst mal einer Sonderausstellung mit Fotografien von Christian Skrein zum Salzburg-Aufenthalts der Beatles im März 1965 gewidmet. Für uns persönlich jetzt weniger interessant und für die Kinder gar nicht aufbereitet. Daher gingen wir zügig weiter in den ersten Stock, in dem es laut dem Begleitheft nun auch vieles über die Stadt Salzburg Museum - WoDi KinderbegleitheftSalzburg und seine Bewohner zu entdecken geben sollte, inklusive entsprechender WoDi Stationen. Wir waren dann doch etwas irritiert, als wir im ersten OG auf eine weitere Sonderausstellung zum Thema „Krieg. Trauma. Kunst. Salzburg und der Erste Weltkrieg“ stießen. Zugegebenermaßen ist diese Ausstellung umfangreich und gut gemacht. Mir persönlich hat auch sehr gut gefallen, wie durch die Verwendung von Karteikarten für die Objektbeschriftungen der Charakter der Sonderausstellung nochmal ganz dezent betont wurde. Insgesamt sind die Räume zum Salzburg Museum - Hörstation in der Wechselausstellunggrößten Teil auch angenehm hell gestaltet, was die Orientierung und die Betrachtung der Exponate erleichtert. Da diese zum Teil auch in niedrigen bis zu bodentiefen Vitrinen präsentiert wurden, es sehr viel um Lebensrealitäten der damaligen Zeit ging und es auch immer wieder Hör- und Videostationen gab, konnten wir sogar die Kinder für einen etwas längeren Aufenthalt in dieser Etage gewinnen. Schließlich drängten sie aber doch nach ihrem nächsten Stempel….

So gingen wir also weiter ins zweite OG, wo uns nun auch schließlich die Dauerausstellung „Mythos Salzburg“ erwartete. Noch im Vorraum gab es dann auch endlich die nächste WoDi-Station mit Salzburg Museum - Mythos Salzburg, Alpines ArkadienBezug auf das durch die Fenster zu sehende Salzburger Glockenspiel, das die Kinder hier an Hand einiger kleiner Glocken nachspielen konnten. Leider war allerdings der Stempel von früheren Besuchern abgerissen worden. Der erste Raum der Ausstellung ist dann in Form einer Pinakothek gestaltet, mit Landschaftsbildern an den Wänden. Aber wo war die versprochene Kinderstation? In einer der vielen Schubladen im Zentrum? Nein, hier fanden sich nur weitere Zeichnungen und Texte. Nur durch Zufall entdeckte ich schließlich, ein in die Wand eingelassenes Rad unter einem Sehschlitz. Und tatsächlich, dahinter fand sich ein an SpitzwegsSalzburg Museum_WoDi Hinweise „Der Sonntagspaziergang“ angelehntes Diorama, durch das beim Drehen am Rad verschiedene Personengruppen spazierten. Nicht mehr und auch nicht weniger. Und für kleinere Kinder war es mangels Steighilfe auch nur mit elterlicher Hilfe überhaupt einzusehen. Aber immerhin wussten wir nun, wonach wir Ausschau halten mussten, wenn wir WoDi’s „Museum im Museum“ finden wollten: kleine unscheinbare Aufkleber auf dem Boden.

Mit diesem Wissen ging es weiter in die folgenden Räume. Bis auf wenige Ausnahmen waren diese größtenteils sehr klassisch gestaltet, offen gehalten mit den Ausstellungsstücken und den Salzburg Museum - LED TextwandInformationen an der Wand. Neue Wege wurden allerdings zum Teil bei der Informationsweitergabe beschritten, um auch auf geringer Fläche ausführlich zu beschreiben, ohne die Ausstellung mit Text zu überladen. Hier kommen zum Teil Videoinseln oder auch LED-Wände mit wechselnden Texten zum Einsatz. Ob dies nun tatsächlich gelungen ist, darüber lässt sich allerdings sicher streiten. Das Ziel, das Exponat in den Salzburg Museum - Mythos Salzburg, Absoluter MachtanspruchMittelpunkt zu stellen und nicht mit Text zu überladen, ohne Informationen vorzuenthalten ist sicher erreicht. Allerdings kann man die Texte an den Videoinseln nur über die Audioguides abhören und ist durch die Auswahl durch Knopfdruck auch noch von anderen Besuchern bei der Informationsaufnahme abhängig. Und auch die Fließtexte sind in meinen Augen nicht unproblematisch, da man den Textwechsel unter Umständen gar nicht wahrnimmt und so nur eine selektive Information geboten bekommt, die einen vielleicht im Moment auch nicht interessiert. Außerdem haben Besucher in der Regel stark unterschiedliche Lesegeschwindigkeiten, so dass der eine unter Umständen auf den weiteren Text warten muss, während es dem nächsten zu schnell geht.

Aber zurück zu WoDi: Leider war er nicht halb so oft im Museum vertreten, wie es die Homepage erwarten ließ. Die Hinweise auf die Stationen fanden sich in der Regel nicht extra hervorgehoben und dadurch oft fast im Dunklen verschlungen auf dem Boden. Beides wahrzunehmen, die Ausstellung Salzburg Museum - WoDi Durchpaus-Stationauf Augenhöhe und die Hinweise auf die Stationen am Boden, fast unmöglich. Dadurch werden die Kinder ehr aus der eigentlichen Dauerausstellung ausgeschlossen, als in sie integriert. Hinzukommt, dass, selbst wenn man mal eine Station entdeckt hat, diese quasi losgelöst im Raum steht oder besser in der Ecke steht, ohne Erläuterung, warum und weshalb man dieses Angebot an dieser Stelle macht. Auch das Begleitheft gibt keine weiteren Hinweise auf die eigentlichen Stationen oder erklärt etwa, was die Kinder hier „entdecken“ können. Einzige Ausnahme ist eine Station mit zwei Gedenkmünzen, die die Kinder in das Begleitheft hinein abpausen sollen. Allerdings ist das Papier hierfür fast zu dick und selbst ich mit einiger Erfahrung im Durchpausen hatte hier so meine Probleme. Für die Kinder war es im Grunde unmöglich. Schade auch, dass das auf der Homepage so großartig versprochene Biedermeier-Zimmer, dass nur von Kinder betreten werden kann, zwarSalzburg Museum - WoDi Tast-Station gut gemeint, aber schlecht gemacht ist. Auch dieses hätten wir fast übersehen, denn wer rechnet denn auch damit, dass man um in dieses Zimmer zu gelangen, auf dem Boden unter der Wand durchkriechen muss? Hätte man nicht eine kleine nur für Kinder geeignete Tür in die Wand einpassen können? Für die Kinder wäre das auf jeden Fall lebensechter. Und was bringt eine, versteckt unter einem Vitrinentisch angebrachte, Taststation, wenn man nicht erfährt, was man da auf der anderen Seite des Lochs ertastet?Salzburg Museum - WoDi Station Biedermeier-ZimmerFast schon zynisch empfanden wir daher das Schlußwort Wolf Dietrichs im Kinderbegletheft; „Hat dir unser Rundgang durch die Geschichte Salzburgs gefallen? Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen und empfehle mich.“

Das taten wir dann auch, machten aber vor Verlassen des Museums noch einen kurzen Abstecher in die kostenfrei zugängliche Panorama Passage, in der einige archäologische Funde von Ausgrabungen aus dem Bereich der Neuen Residenz ausgestellt sind.Salzburg Museum - Panorama Passage

Das Salzburg Museum ist auf seine Art sicher innovativ. Es werden viele neue Vermittlungsarten gewählt und durch eine geschickte Auswahl verschiedener Lebensaspekte wird auch eine Brücke zwischen der Geschichte und der Gegenwart gezogen. Es war auch schön zu sehen, dass das Museum nicht nur im Sinne der Zugänglichkeit mit dem Rollstuhl barrierefrei ist, sondern es mit Brailleguides für die Dauerausstellung und Leih-Lupen auch für blinde und sehbehinderte Besucher zugänglich wird und sogar mit ausleihbaren Induktionsschleifen an die Nutzbarkeit der Audioguides in Verbindung mit Hörgeräten gedacht wurde. Allerdings ist die Integration der Kinder als kleine Museumsbesucher in unseren Augen dafür überhaupt nicht gelungen. Und das ist umso bedauerlicher, als insbesondere die Homepage komplett andere Erwartungen weckt.

Salzburg – Salzburg Museum oder WoDi verspricht viel, kann aber nur wenig halten:  

Über carmen

Archäologin - Studium der Vor- und Frühgeschichte, vergleichende Religionswissenschaft und Ethnologie in Bonn mit Magisterabschluss Mitwirkung an verschiedenen Grabungsprojekten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg als Grabungsleitung. Erfahrungen bei Ausstellungskonzeptionen und als Museumsführer. Als Mutter zweier kleiner Kinder mittlerweile freiberuflich als Archäologin und Museumspädagogin an Kindergärten und Schulen tätig.


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