Möckenlohe – Villa Rustica oder Wie die alten Römer hausten

1963 stieß ein Landwirt bei Möckenlohe in einem seiner Felder auf Mauerreste. Luftbildaufnahmen des Gebietes zeigten ein römische Villa Rustica inklusive Nebengebäuden, die schließlich 1987 bis 1989 archäologisch untersucht wurde. Im Anschluss wurde 1992/1993 auf den originalen Grundmauern der römische Gutshof wieder errichtet. Heute beherbergt die rekonstruierte Anlage ein Museum, in dem die vor Ort gemachten Funde ausgestellt werden. Außerdem ist ein kleiner römischer Tierpark angeschlossen, in dem Haustierrassen gezeigt werden, die von den Römern in unseren Breiten gehalten wurden.Moeckenlohe005

wpid-wp-1432155415985.jpegBetreten wird die Anlage über einen kleinen Vorraum, in dem die Kasse mit einem kleinen Shop untergebracht ist. Von hier gelangt man in den Wirtschaftshof, wo unter einem Vordach verschiedenen Fahrzeuge und landwirtschaftliche Geräte der Römerzeit zu sehen sind. Leider fehlen hier jegliche Erklärungen. Dies ist aber wahrscheinlich dem Umstand geschuldet, dass man Reisewagen, Pflug und co. laut dem örtlichen Prospekt wohl auch ausleihen kann. Somit handelt es sich hier ja dann weniger um einen Ausstellungsbereich, als vielmehr um eine Art tatsächlichen Geräteschuppen.

Linker Hand betritt man dann den Portikus, den eigentlichen wpid-wp-1432155688611.jpegEingangsbereich des Gutshofes. Dieser Zugangssituation wird durch ein Modell eines römischen Türschloss mit Schlüssel an der Wand Rechnung getragen. Über eine Plexiglasscheibe kann man den sonst verborgenen Schließmechanismus und das Eingreifen des Schlüssels beobachten, während man versucht das Ganze zu entriegeln. Obwohl noch ein wenig hoch angebracht brauchte unsere Große nicht lange, um das Prinzip der hochzudrückenden Verschlusszapfen zu verstehen und erfolgreich anzuwenden.

Moeckenlohe009Von hieraus kommt man dann auf der einen Seite direkt in die Küche. Diese ist im Stile der Zeit eingerichtet und man hat den Eindruck, dass die Dame des Hauses nur schnell den Raum verlassen hat. Entsprechend nahmen die Kinder auch direkt am Tisch Platz. Zusätzlich sind in diesem Raum einige Hängevitrinen angebracht, in denen Funde rund um das Thema Ernährung und hier nachgewiesene Lebensmittel ausgestellt sind.

Moeckenlohe011Die Küche selbst ist unterkellert. Über einen rampenartigen Abgang innerhalb des Portikus gelangt man in die untere Etage. Hier sind noch die originalen Grundmauern zu erkennen. Außerdem erfährt man etwas über die den Römern bekannten Formen der Vorratshaltung.

Auf der gegenüberliegenden Seite betritt wpid-wp-1432155305187.jpegman die mit einer überwölbten Apsis ausgeführte große Audienzhalle. Dieser Raum wurde ursprünglich ebenso beheizt, wie das anschließende Speisezimmer. Um die hier verwendete Hypocaust-Anlage besser verdeutlichen zu können wurde dieses quasi im geschnittenen Zustand rekonstruiert, was einen Einblick in die Heizanlagen unter dem Fußboden ermöglicht.

Moeckenlohe013Zentral im Raum steht ein liebevoll gestaltetes Modell der Anlage von Möckenlohe. Eine Vielzahl an Zinngussfiguren erweckt das dreidimensionale Bild zu Leben. So kann man z.B. Handwerker bei Aufbau eines Wirtschaftsgebäuden beobachten oder auch die Viehhirten auf der Weide.

Auch hier finden dann noch Hängevitrinen an den Wänden Verwendungen, in denen weitere Fundstücke der lokalen Moeckenlohe014Grabungskampagne ausgestellt sind und die einen Einblick in das tägliche Leben auf diesem ländlichen Anwesen ermöglichen. Durch leicht verständliche Rekonstruktionszeichnung werden einzelne Fundstücke wie Schlüssel oder Pferdeschuh leicht verständlich in ihrer Funktion erläutert. Dazu kommen mehrere Texttafeln, auf denen man unter anderem etwas über die Forschungsgeschichte und die zeitliche Einordnung der Anlage erfährt.

Moeckenlohe008In einem weiteren vom Wirtschaftshof zugänglichen kleinen Raum erfährt man dann noch, dass der römische Gutshof von Möckenlohe nicht aus dem Nichts heraus an dieser Stelle entstanden ist, sondern dass der Ort schon seit der Steinzeit besiedelt wurde, was verschiedenen Funde wiederspiegeln.

Eigentlich wollten wir uns im Anschluss an dieses kleine Museum auch noch die römerzeitlichen Haustiere anschauen. Allerdings war der Bereich der Tiergehege und Stallungen nach dem Wolkenbruch der uns kurz vorher noch fast im Kastell Pfünz erwischt hat, so aufgeweicht, dass wir zu Gunsten unserer Schuhe doch darauf verzichteten.

Moeckenlohe002Moeckenlohe001Bei dem Kastell Pfünz handelt es sich genau genommen um das Castra Vetoniana. Es ist oberhalb dem modernen Ort Pfünz auf einer Bergzunge gelegen. Es wurde um 90 n.Chr. als Holz-Erdekastell errichtet und später durch einen Steinbau ersetzt bzw. ausgebaut. Von 1988 bis 1994 wurden die nördliche Toranlage,Moeckenlohe004 ein Eckturm sowie Teile der Wehrmauer wieder aufgebaut und begehbar. Zwar entspricht diese Rekonstruktion nicht mehr ganz den Stand der heutigen Forschung, darauf wird aber auf der bei der Toranlage angebrachten Hinweistafel deutlich hingewiesen. Und dem verstärkten Eindruck, den solch eine wiedererrichtete Anlage im Gegensatz zu konservieren Mauerstümpfen hinterlässt, tut diese Erkenntnis auch keinen Abbruch.

Moeckenlohe003Im westlichen Turm der Toranlage fanden wir dann auch während des kurzen aber heftigen Gewitters Unterschlupf, ehe wir den um das Kastell laufenden Römerlehrpfad abschließen konnten. Entlang des Wegs um die ehemalige Befestigungsanlage finden sich mehrere anschaulich gestalteten Informationstafeln in Deutsch und Englisch zur Geschichte der Anlage und des Lagerdorfs. Außerdem werden mehrere Inschriftensteine, die als Kopie in die Rekonstruktion integriert sind, erklärt.

Da das Kastell bei Pfünz und die Villa Rustica bei Möckenlohe zeitgleich bestanden, bietet sich ein kombinierter Besuch wie der unsere an, um sowohl etwas über das militärische als auch das zivile Leben der damaligen Zeit zu erfahren. Mit dem Auto sind es auch nur knapp 15 Minuten, um von einem Ort zum andern zu wechseln.

Eine ausführlichere Beschreibung unserer kleinen Wanderung rund um das Kastell Pfünz findet sich auf unserem Partner-Blog Mountainbatchers.de

Möckenlohe – Villa Rustica oder Wie die alten Römer hausten:  

Über carmen

Archäologin - Studium der Vor- und Frühgeschichte, vergleichende Religionswissenschaft und Ethnologie in Bonn mit Magisterabschluss Mitwirkung an verschiedenen Grabungsprojekten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg als Grabungsleitung. Erfahrungen bei Ausstellungskonzeptionen und als Museumsführer. Als Mutter zweier kleiner Kinder mittlerweile freiberuflich als Archäologin und Museumspädagogin an Kindergärten und Schulen tätig.


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