Landau/Isar – Niederbayrisches Archäologiemuseum oder Wenn man sich auf Auszeichnungen ausruht

Ein verregneter Frühlingstag führte uns letztens nach Landau an der Isar in den Kastenhof einen ehemaligen Herzogsitz der Wittelsbacher. Hier ist das Niederbayrische Archäologiemuseum als Zweigstelle der Archäologischen Staatssammlung untergebracht.

1997 noch mit dem Europäischen Museumspreis ausgezeichnet, könnte das Haus heute durchaus wieder ein paar Anpassungen vertragen. Angefangen damit, dass der Eingangsbereich so dunkel gehalten ist, dass wir uns beim Annähern tatsächlich gefragt haben, ob das Museum überhaupt geöffnet hat. Erst der Griff an die Tür konnte hier Klarheit verschaffen. Aber auch nach dem Betreten ist der Besucher weiterhin in schummriges Licht gehüllt. Lediglich das verglaste Kassenhäuschen strahlt etwas Helligkeit aus. Die angeschlossenen Ausstellungsflächen des kleinen Shops sind dann schon wieder schlechter ausgeleuchtet.

Landau007Diese dämmrige Stimmung setzt sich dann in dem hinter einer verschlossenen Tür versteckten Aufgang in den ersten Ausstellungsbereich fort. Mit etwas Abstand betrachtet drängt sich mir hier zunehmend der Eindruck auf, dassLandau008 die Museumsmacher hier bei der Beleuchtungsplanung an einen Schatzkammer-Charakter dachten. Wobei, dazu gehört eigentlich auch der mit einem Spot angestrahlte “Schatz” am Ende des Gangs. Stattdessen gelangt man in einen dunklen Dachstuhl. Einzig mehrere Computermonitore am Ende des Raums, teils noch vom Gebälk verdeckt, werden als Lichtquelle wahrgenommen.

Landau015Das ist also der einführende Bereich, in dem man die “Welt der Archäologie” erkunden können soll. Ich wusste gar nicht, dass die so düster ist. Aber Spaß bei Seite: Tatsächlich finden sich in diesem großen Raum fünf PC Plätze, ein sechster ist abgebaut, an denen man sich mit einer ziemlich altbackenen Software kurze Einblicke in die Methoden und Arbeitsfelder der Archäologie erklicken kann. Oft nicht mehr als 2-3 Sätze und ein graphisch schlechtes Bild, manchmal auch ein kurzer Videobeitrag.

Viel ansprechender finde ich da eine Vermittlungsidee, dieLandau014 leider so sehr im Schatten steht, dass wir sie fast übersehen hätten. Ein einfacher halbhoher Metallschrank mit fünf Schubladen, wie er wahrscheinlich in vielen Büros und Magazinen steht. Dazu keine besondere Beschriftung. Lediglich auf den Schubladen kleine Etiketten mit kurzer Epochenangabe. Da er noch dazu nicht wirklich exponiert aufgestellt ist, erweckt er tatsächlich den Eindruck hier zwischengelagert und dann vergessen worden zu sein. Nun sind wir persönlich aber von Natur aus neugierig. Und tatsächlich hat uns der Inhalt dann doch sehr überrascht. Es handelt sich quasi um eine Stratigraphie in der Schublade. Jede Etage enthält unter einer Plexiglasscheibe einige Leitfunde der außen angeschriebenen Epochen. Angefangen von der Steinzeit in der untersten Lade bis hin zu Streufunden der Jetztzeit ganz oben. Eine klasse Idee. Aber ohne weitere Erläuterung für den Laien im Grunde komplett ohne Aussagewert. Schade.

Landau012Die eigentliche Ausstellung beginnt dann mit dem Themenfeld “Vom Jäger zum Bauern” im angrenzenden Raum, der nun endlich auch Tageslicht erhält und somit eine weitaus angenehmere Atmosphäre ausströmt. Schade nur, dass die verwendeten Standvitrinen ein wenig zu hoch sind. Es sind tatsächlich sehenswerte Funde aus Landau002der Frühzeit der menschlichen Geschichte in Niederbayern ausgestellt. Nur wer immer kleiner als ein Meter ist, hat davon absolut nichts und auch bis zu einer Körpergröße von etwa 1,20 Meter erfasst man im Grunde nur die Funde, die auf den Bodenplatten der Vitrinen ausgestellt sind, nicht aber die, die großzügig an den Rückwänden hängend ausgestellt sind. Entsprechend langweilen sich kleine Kinder in diesem Raum relativ schnell, weil es für sie einfach nichts zu sehen gibt.

Landau001Eine angenehme Abwechslung stellt da der Nachbau eines neolithischen Hauses im Maßstab 1:1 am Ende dieser Abteilung dar. Der Ofen im Zentrum des Raumes würde genauso einer genauen Inspektion unterzogen, wie die darauf liegenden unterschiedlichen Steinäxte und Steinbeile. Allerdings konnte ich hier nur mit einem beherzten Eingreifen größere Verletzungen in Form von eingeklemmt und/oder gequetscht Finder verhindern, als eines der Steinzeit beim Hochheben den Stiel hinunter rutschte, weil es nicht fest geschäftet war. Hier sollten die Exponate zum Anfassen auf jeden Fall regelmäßig überprüft und ggf. auch nachgerechnet werden.

Von hier aus geht man dann wieder zurück hinunter in dasLandau013 EG. Hier findet sich die zweite Hauptabteilung des Museums zum Thema “Denken und Glauben – Magie und Religion”. Die in den Boden eingelassenen Vitrinen mit verschiedenen Hort- und Flußfunden sowie Funden aus Bestattungen wecken sofort das Interesse unserer Jüngsten. Immerhin konnte sie hier auch bequem einen Blick in die Geschichte werfen. Auch der etwas später ausgestellte Schatzfund Wallersdorf konnte noch einmal ihre Aufmerksamkeit fesseln, denn auch diese Vitrine war niedrig Landau003genug, um von ihr problemlos eingesehen zu werden. Leider blieben diese die Ausnahmen. Alle übrigen Vitrinen sind wieder so hoch, dass sich kleinere Kinder leider ausgeschlossen fühlen müssen, solange sie nicht von den Eltern auf den Arm oder die Schultern genommen wird. Das gilt leider auch für die beiden letzten Abschnitte des Museum, in denen es um “Die Stadt” als Lebensraum größerer Gruppen mit seinen Begleiterscheinungen wie Handwerk, Handel, Geld, Schrift u.a. sowie “Die Bajuwaren” geht.

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Leider hat sich uns die beschriebene Aufteilung des Museums während des Besuchs nicht so recht erschlossen. Zwar gibt es kurze einordnende Beschreibungen an den einzelnen Vitrinen sowie auch eine durchgängige Ansprache der ausgestellten Funde. Die Konzeption war hier aber nicht so eindeutig herausgearbeitet, wie es auf der Homepage den Anschein erweckt. Das kann sich unter Umständen bei Nutzung der im Eintritt enthaltenen Audioguides anders darstellen. Wir Erwachsene benutzen diese momentan aber fast schon aus Prinzip nicht, da sie sich nicht mit der Betreuung der Kinder unter einen Hut bringen lassen. Da aber auf der Homepage ausdrücklich auf Audioguides mit Hörspiel ähnlichem Charakter für die Kinder hingewiesen wird, nahmen wir die angebotenen Geräte für die Kinder an. Als ich da jedoch nach einigen Stationen selbst einmal testweise hinein hörte, merkte ich hiervon nicht so recht etwas. Vielmehr wirkte der Text für mich ehr standardmäßig und nicht explizit für Kinder erstellt. Allerdings kann ich nicht ausschließen, dass nicht die Kinder direkt nach Übergabe der Geräte hier beim Knöpfe-drücken etwas verstellt haben.

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Alles in allem bietet das Niederbayrische Archäologiemuseum eine Anzahl schöner Exponate, die durchaus ansprechend präsentiert werden. Leider aber erst für Besucher ab dem Grundschulalter aufwärts. Dabei ließen sich kleine Kinder schon mit einfachen Hilfsmitteln wie z.B. tragbaren Schemeln, die die mangelnde Größe beim Blick in die Vitrinen ausgleichen, in die Ausstellung einbinden. Und auch die verwendete Software an den PC Stationen könnte sicher einmal wieder ein Update vertragen. Insbesondere jugendliche Besucher und junge Erwachsene lockt man bei der schon fast 20 Jahre alten Oberflächengestaltung hinter keinem Ofen mehr vor. Museumspreise scheinen leider auch die Tendenz zu fördern, sich auf solchen auszuruhen, statt weiterhin innovativ voran zu schreiten.

Landau/Isar – Niederbayrisches Archäologiemuseum oder Wenn man sich auf Auszeichnungen ausruht:  

Über carmen

Archäologin – Studium der Vor- und Frühgeschichte, vergleichende Religionswissenschaft und Ethnologie in Bonn mit Magisterabschluss

Mitwirkung an verschiedenen Grabungsprojekten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg als Grabungsleitung. Erfahrungen bei Ausstellungskonzeptionen und als Museumsführer.

Als Mutter zweier kleiner Kinder mittlerweile freiberuflich als Archäologin und Museumspädagogin an Kindergärten und Schulen tätig.



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