Friesach – Burg Petersberg

Von erzbischöflichen Kapellen und Kinder-Ritterkellern

Nachdem wir uns noch am Vormittag auf der Baustelle der Burg Siegfriedstein angesehen hatten, wie denn nun eigentlich im Mittelalter eine Burg gebaut wurde, wollten wir uns im Anschluss noch eine historische Burg(-Ruine) anschauen und gleichzeitig noch etwas mehr über die Geschichte Friesachs erfahren. Daher führte uns unser weiterer Weg auf die Burg Petersberg, in deren Bergfried seit 1987 das historische Museum der Stadt untergebracht ist.

Schon 927 findet sich die erste Erwähnung für die noch heute am Ende der Hügelkuppe gelegene kleine St. Peter Kapelle, die somit als ältester Sakralraum Kärntens angesehen werden darf. Auch von der Burg Petersberg wird angenommen, dass sie in ihren ersten Beständen schon in das 10. Jahrhundert zurückgeht, denn im Rahmen des Investiturstreits wird für das Jahr 1076 schon von ersten Befestigungsanlagen und dem Baubeginn eines Repräsentationsbaus berichtet. Ab 1124 werden die Befestigungsanlagen dann unter Einbeziehung der Stadtumwallung weiter massiv ausgebaut. Diese Arbeiten dürften spätestens um 1140 abgeschlossen gewesen sein, da die Burg nun fast schon regelmäßig von den Salzburger Erzbischöfen als Zweitresidenz genutzt wurde. Ebenfalls schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde von Erzbischof Konrad I auf dem Petersberg eine Münzstätte für den Friesinger Pfennig eingerichtet.Ansichten der Ruine Petersberg

Im 17. Jahrhundert verliert die Burg dann jedoch zunehmend an Bedeutung und wird schließlich aufgegeben. Der Kupferstich Merians von 1649 z.B. zeigt die Anlage zwar noch vollständig erhalten, aber schon ohne Fenster. Nach dem Stadtbrand von 1673, der auch die Burg Petersberg erfasst, bleibt sie schließlich bis ins 19. Jahrhundert als Ruine bestehen.

Heute haben sich wieder verschiedene Nutzungskonzepte für die Anlage gefunden. So werden z.B. seit den 1950ern im sgn. Oberhof die jährlichen Burgfestspiele abgehalten und in der ehemaligen Burghauptmannschaft ist heute eine Burgschenke mit angeschlossener kleiner Jugendherberge untergebracht. Uns zog aber vor allem das historische Museum der Stadt Friesach auf den Petersberg, das seit 1987 im restaurierten Bergfried untergebracht ist.

Dieser romanische Hauptturm, an vorderster Stelle der Südostecke der Burg gelegen, gilt als ältester Teil der eigentlichen Befestigungsanlage. Nachdem um 1830 das Dach zu Brennholz verarbeitet worden war, stürzte 1850 das Gewölbe ein. 1891 sollte der Turm dann sogar abgebrochen werden, was der Stadtverschönerungsverein aber verhindern konnte. Stattdessen wurde das Dach wieder neu aufgesetzt, zwei Zwischengeschosse eingezogen und die Südwestecke sogar in allen Obergeschossen wieder neu aufgebaut.Ansichten der Burg Petersberg mit Bergfried

Der Bergfried des Petersberg zeigt sich daher heute als rechteckige sechsgeschossige Anlage, die mit 28,3 Metern Höhe zu den größten romanischen Wohntürmen im deutschsprachigen Raum zählt. Ursprünglich war er wohl als reiner Kapellenturm konzipiert, dessen Abschluss die Rupertikapelle im 4ten Stock bildete. Dies ist heute auch noch gut an dem Wechsel des Mauerwerks zu erkennen. Bis einschließlich der Kapelle wurde ein einheitliches Fischgrätmauerwerk mit gedrungenen Lichtschächten verwendet, das auf eine Entstehung in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts hindeutet. Die oberen Geschosse dagegen wurden erst um 1225/30 fertiggestellt.

Unser Gang durch die Ausstellung des historischen Museums im Bergfried der Burg Petersberg:

Betreten wird der Turm heute über eine Holztreppe, die den Besucher quasi direkt in das zweite Geschoss führt. Gleich hinter dem kleinen Kassenbereich unter dem inneren Treppeneinbau findet man sich dann auch schon im ersten Teil der Ausstellung wieder. Insgesamt macht diese zwar einen leicht in die Jahre gekommenen Eindruck und bietet jetzt vor allem museumsdidaktisch nicht allzu viel herausragendes. Dennoch ist sie aber insbesondere für Familien mit kleineren Kindern durchaus gut zu besuchen, da sie zum einen nicht zu überladen ist und zum anderen die meisten Exponate nur auf kleinen Sockeln bzw. in bodentiefen Vitrinen präsentiert werden. Außerdem bietet das Heimatmuseum im Erdgeschoss einen Spielekeller mit einer Vielzahl von mittelalterlichen Spielen zum selber ausprobieren, was wir uns aber für den Schluss unseres Besuches aufsparten.

Ansichten zur StadtgeschichteDie ersten beiden Stockwerke der Ausstellung beschäftigt sich vor allem mit der Geschichte Friesachs im Allgemeinen und der Burg Petersberg im Speziellen. Allerdings gibt es keine eindeutig erkennbare oder gar kommunizierte thematische Besucherführung. Die erste Etage scheint zwar etwas mehr der Burg Petersberg und ihrer Geschichte gewidmet zu sein; die zweite augenscheinlich entsprechend einen etwas größeren Schwerpunkt auf die Entwicklung der Stadt Friesach und ihrer Verbindung zum Salzburger Erzbischof zu legen. Es gibt aber immer wieder dem Besucher nicht klar verdeutlichte Überschneidungen der thematischen Bereiche und somit keinen greifbaren roten Faden durch die Geschichte von Stadt und Burg. Das ist insbesondere darum schade, da hier einige schöne Exponate zusammengetragen wurden, die auf einfache Art und Weise Einblicke in das mittelalterliche Leben auf der Burg und in der Stadt geben könnten. Ich bin zwar keine Freundin von überfrachteten Texttafeln, aber etwas mehr Hintergrundinformation für den interessierten Laien wäre dann doch wünschenswert.

begreifbare AusstellungExponate zur Geschichte FriesachsIn der dritten Etage, also eigentlich dem 4ten Stock des Bergfrieds, findet man sich recht unvermittelt dann im ehemaligen Hauptraum des Turms, der Rupertikapelle wieder. Es handelt sich hierbei um einen rechteckigen hohen Raum, der durch auf Halbsäulen aufsitzende Gurtbigen in zwei Joche geteilt wird. Das Kreuzgratgewölbe ist nur noch in Ansätzen erhalten. Die Apsis lag ursprünglich auf Kragsteinen aufgesetzt außerhalb des eigentlichen Kapellraums. Diese Vorkragung wurde allerdings im 14. Jahrhundert abgebaut und durch ein großes Spitzbogenfenster ersetzt. Die Wände der Kapelle waren ursprünglich komplett mit spätromanischen Fresken in Secco-Malerei ausgestattet, die allerdings auf Grund der langjährigen Witterungsaussetzung trotz aufwendiger Restaurierung 1981 nur noch schlecht erhalten. Zusätzlich sind in dem Raum noch einige sakrale Ausstattungsstücke ausgestellt, der Schwerpunkt liegt aber sicher auf der historischen Kapelle an sich.Petersberg007Petersberg008Weiter geht es dann in das nachträglich aufgesetzte repräsentative Wohngeschoss, das vor allem durch den großen Mantelkamin und die Biforien (Zwillingsfenster) auf drei Seiten geprägt ist. Bei den hier präsentierten Ausstellungsstücken fehlt allerdings auch wieder die Besucherführung. Man wird als Betrachter leider im Unklaren über die Hintergründe der Auswahl und Zusammenstellung der gezeigten Stücke gelassen. Auch wenn das gezeigte Porzellan, das Glas, der Schmuck sowie einige Kleinmöbel daraufhin deuten, dass es sich wohl durchgehend um Hinterlassenschaften des städtischen Bürgertums handelt.

Petersberg009Petersberg010Ähnlich dem historischen Zusammenhang entrissen präsentieren sich dann auch die Exponate auf der heute überdachten ehemaligen Wehrplattform. In erster Linie werden hier Schußwaffen mit Zubehör sowie metallisches Geschirr präsentiert. Auch dies wohl wieder eher mit der Bürgerschaft in Verbindung stehend. Nach dem wir dies Ausstellungstücke dennoch ausgiebig betrachtet hatten, zog es uns dann aber doch relativ schnell ganz hinunter in den „Kinder-Ritterkeller“

Petersberg011Waren unsere Mädels auch schon in der Ausstellung selbst auf Grund der gut einsehbaren Vitrinen mit den oft für sie in ihrer Funktion wiedererkennbaren Exponaten weitgehend interessiert und aufmerksam unterwegs, bot das als Keller bezeichnete Erdgeschoss mit seinem interaktivem Angebot selbstverständlich eine willkommene Ergänzung des Tages. Neben ausführlichen Erläuterungen zu einigen auf dem bekannten Gemälde „Die Kinderspiele“ des flämischen Malers Pieter Bruegel des Älteren von 1560 erkennbaren Spielen, das auch großformatig an einer der Wände angebracht war, bot dieser Bereich vor allem eine Vielzahl an Selbermach-Stationen. Mit relativ geringem Aufwand wurden dazu u.a. Spielpläne liebevoll auf Tische gemalt, selbstverständlich nicht ohne auch eine leicht verständliche Anleitung dazu zur Verfügung zu stellen. Andere über Generationen überlieferte Spiele wie Variationen des Hüpfspiels „Himmel und Erde“ wurden über entsprechende Teppiche in den Raum eingebracht. Zusätzlich gab es verschiedene Wurf- und Murmelspiele sowie eine große Burgbaustelle mit Holzbausteinen. Selbstverständlich musste alles einmal ausprobiert werden. Und so hielten wir uns hier im Spielekeller am Ende dann auch fast nochmal so lange auf, wie in der Ausstellung selbst.

Petersberg012Unser Fazit zum historischen Museum im Bergfried der Burg Petersberg:

Das historische Museum der Stadt Friesach im Bergfried der Burg Petersberg ist unterm Strich ehr als Sammlung und weniger als ein museumsdidaktisch aufbereitete Ausstellung zu verstehen. An zu vielen Stellen bleiben die Exponate unkommentiert und uneingeordnet. Dennoch hat uns der Besuch hier auf der Burg Spaß gemacht, was mehrere Gründe hat. Zum einen die, trotz des ruinenhaften Zustands, immer noch beeindruckende Erscheinung der gesamten Anlage und der von hier gebotenen Aus- und Überblick über Friesach und die Umgebung. Dann auch durchaus die Sammlung selbst, die zwar wenig Informationsgehalt bietet, dennoch auch schon für kleinere Kinder auf Grund der guten Einsehbarkeit und des häufigen Bezugs zur heutigen Lebensrealität spannend ist und eine Gesprächsgrundlage über das „Damals“ bietet. Das wird dann konsequent im „Spielekeller“ fortgeführt, der den Kindern gelungen im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar macht, dass die Kinder früher an ähnlichen Dingen Spaß hatten wie noch heute.Petersberg013Sollte die liebevolle Gestaltung und die didaktische Umsetzung dieses letzten Raumes in Zukunft auch noch ein wenig auf das eigentliche Museum übergreifen, dann sehe ich hier noch sehr viel Potential für ein wirklich gelungenes Museum mit ausreichendem Informationsgehalt und gleichzeitig Spaß für die gesamte Familie.

Friesach – Burg Petersberg:  

Über carmen

Archäologin – Studium der Vor- und Frühgeschichte, vergleichende Religionswissenschaft und Ethnologie in Bonn mit Magisterabschluss

Mitwirkung an verschiedenen Grabungsprojekten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg als Grabungsleitung. Erfahrungen bei Ausstellungskonzeptionen und als Museumsführer.

Als Mutter zweier kleiner Kinder mittlerweile freiberuflich als Archäologin und Museumspädagogin an Kindergärten und Schulen tätig.



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