Dellach – Archäologiepark Gurina oder Wandern mit Kultur

Wenn bei einer wandernden Archäologenfamilie eine archäologische Ausgrabungsstätte quasi Gurina - 011vor der Haustür des Urlaubsquartiers liegt und in den Beschreibungen auch noch zu lesen ist, dass diese nicht mit dem Auto, sondern nur zu Fuß zu erreichen ist, dann steht ein Programmpunkt für den Familienurlaub schon vor der Anreise fest.

Entsprechend machten wir uns nach einer ersten Einstimmung in die Thematik im Besucherzentrum in Dellach am frühen Nachmittag auf in Richtung Gurina. Das Auto liesen wir etwa 2 km außerhalb der Ortschaft auf dem ausgewiesenen Parkplatz im Wald stehen. Dann folgten wir der Ausschilderung Richtung „Archäologiepark Gurina“.

Ein kurzes Stück verläuft der Weg dabei noch auf der asphaltierten Zufahrt zu den auf der Gurina noch heute angesiedelten Gehöften. Aber schon nach wenigen Metern weißt einem ein weiteres Schild den Weg in den Wald. Nun geht es auf einem schmalen Pfad über dicht stehende Wurzeln, etwas später über ein schmales Wiesenstück am Waldrand entlang knackig bergan.

Nach ca. 15 Minuten erreichten wir die erste Station des Gurina - 006Archäologieparks: eine der römischen Toranlage, von der noch heute der im Gelände deutlich eingeschnittene Hohlweg zeugt. Das eigentliche Tor kann man dagegen aktuell nicht sehen, da das Grabungsareal nach Abschluss der letzten Untersuchungen wieder verfüllt wurde. Allerdings erläutert eine an dieser strategischen Stelle aufgestellte Tafel anschaulich Aufbau, Funktion und Geschichte des Tors. Und das im Übrigen nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch und Italienisch.

Der Weg führt nun wieder aus dem Wald heraus und öffnet sich auf der einen Seite zu einer Weidefläche hin. Das Plateau der Gurina ist erreicGurina - 005ht und eine weitere Tafel erläutert nun den Aufbau und Grundriss der römischen Stadt. Jetzt sind es auch nur noch wenige Schritte, bis man über die letzte Kuppe hinweg hoch über dem Plateau die Rekonstruktion des gallorömischen Umgangtempels sichtet, der aktuelle Höhepunkt des Archäologieparks.

Aber wie so oft in den Bergen heißt sichten aber noch nicht erreicht. Nach einer kurzen Verschnaufphase in der der Weg relativ eben am Rand des Plateaus entlang führt, heißt es zum Ende noch einmal kräftig ausschreiten und den letzten Anstieg über ein kurzes geschottertes Wegstück in Angriff nehmen. Nach guten 10 Minuten standen wir dann aber doch vor diesem etwas anderen „Gotteshaus“, wie wir hier dann den Kindern erklärten.

Mehrere Infotafeln im Rücken des Tempels geben zum einen nochmal genauer Einblick in die Siedlungsgeschichte der Gurina, zum anderen aber auch insbesondere in die Kultkontinuität dieses Ortes, der Gurina - 007vor dem gallorömischen Umgangtempel nachweislich schon einen hallstattzeitlichen Opferplatz und wohl anzunehmender Weise auch den des hier siedelnden keltischen Stamms der Ambilini beherbergte. Außerdem erfährt man hier ein wenig über die Rekonstruktion des Herkulestempels auf Grund der Grabungsbefunde und vergleichbarer Anlagen z.B. in Pompeji.

Der Tempel selber steht in den Sommermonaten bei entsprechenden Wetterbedingungen täglich offen, ansonsten kann aber auch bei den BewohnernGurina - 008 des nahegelegenen Hofs nach dem Schlüssel gefragt werden. Was mich persönlich beim Betreten des Raums bzw. beim Hinein- und dann auch beim Hinaussehen am meisten irritiert hat, ist die verschobene Sichtachse des Gebäudes. Dies ist aber dem originalen Grabungsbefund geschuldet, der belegt, dass auch beim ursprünglichen Tempel die Mauern nicht ganz im rechten Winkel angelegt waren.

Im Innern des Tempels sind in seitlichen Nischen einige Repliken der im Bereich des Tempels und der älteren Opferplätze gefundenen Idole und Götterfiguren ausgestellt. Allerdings wirken diese im Vergleich zu den im Besucherzentrum in Dellach gezeigten originalen Funden ein wenig unschlächtig. Die Beschreibung unseres vormittäglichen Besuchs dort findet ihr übrigens auch hier im Blog.

Gurina - 001Nachdem wir uns so über die Grundlagen von Gurina informiert hatten und den in doppelten Sinne aktuellen Höhepunkt des Archäologieparks ausgiebig betrachtet hatten, genossen wir noch für eine Weile den wundervollen Ausblick vom Umgang aus. Hier erwies sich auch die gewählte Rekonstruktion mit der halbhohen Umfassungsmauer mit der offenen Gestaltung der Säulen als durchaus gut gewählt. Zum einen schuf sie natürlich eine gewisse Atmosphäre, zum anderen ist die Mauer selber so auch ein bequemer Platz für den Ausguck.

Anschließend überquerten wir das ehemalige Siedlungsplateau der Gurina auf direktem Weg, um nach Erreichen des unterhalb gelegenen Hofes nun über den asphaltierten Fahrweg den Rückweg anzutreten. Nach etwa 15 Minuten gemütlicher Wegzeit kommt man so dann noch zum Abzweig zum hallstattzeitlichen Hügelgräberfeld am Schmeisser Boden. Dieses liegt ein wenig im Wald versteckt, ist aber über einen Forstweg gut zu erreichen.

Gurina - 009Schon 1885 wurde das Gräberfeld erstmals archäologisch untersucht. Die damals noch gut erkennbaren 16 Grabhügel waren aber allesamt alt beraubt. Dennoch konnte an Hand der verbliebenen Funde eine Datierung in die Hallstattzeit, genauer in das 9. bis 6. Jahrhundert v.Chr. vorgenommen werden. Dies bestätigte auch die Nachuntersuchung im Jahr 1993, bei der allerdings nur noch sieben Hügel im Gelände lokalisiert werden konnten.

Schon im Anschluss an diese Grabung wurde an der Stelle des Gräberfelds ein erstes Schaugrab errichtet, das aber einige Jahre später wohl einem strengen Winter zum Opfer fiel. Mit Wiederaufnahme der archäologischen Untersuchungen auf der Gurina und der Entwicklung der Idee eines archäologischen Parks wurde auch ein Plan entworfen, das Gräberfeld an seinem ursprünglichen Ort zu rekonstruieren.

Heute findet man im Wald des Schmeisser Bodens daher Gurina - 010insgesamt neun über den originalen Fundstellen wieder aufgeschüttete Grabhügel. Auch Durchmesser und Höhe orientieren sich an den Befunden von 1885 und 1993. Hierdurch entsteht auch ein guter räumlicher Eindruck der Verteilung im Gelände. Wobei man natürlich nicht außer Acht lassen darf, dass der heutige umgebende Waldbewuchs zu Zeiten der ursprünglichen Errichtung der Grabhügel wohl nicht bestand. Ein Umstand übrigens, auf den auf den aufgestellten Informationstafeln genauso wenig hingewiesen wird, wie auf den rein spekulativen Charakter der auf jeden Hügel aufgestellten hölzernen Stelen eines lokalen Künstlers.

Vom Gräberfeld aus sind es dann nur noch mal gute 10 Minuten weiter bergabwärts auf der asphaltierten Zufahrtsstraße bis zum Wanderparkplatz von dem aus der Rundweg gestartet ist. Von hier aus kann man nun auch noch ein Stück weiterfahren zur Ausgrabungsstelle am Wieserberg und der St. Helena Kapelle. Da diese nach unseren Informationen allerdings aktuell renoviert werden sollte und daher nur eingeschränkt zugänglich ist und der Tag außerdem auch schon etwas vorangeschritten war, hoben wir uns diese Punkte für einen späteren Besuch in der Region auf.

Gurina - 004Noch mehr Bilder und vorallem auch eine kleine Wanderkarte für diese Runde findet ihr auf unserem Partnerblog blog.mountainbatchers.de

Dellach – Archäologiepark Gurina oder Wandern mit Kultur:  

Über carmen

Archäologin - Studium der Vor- und Frühgeschichte, vergleichende Religionswissenschaft und Ethnologie in Bonn mit Magisterabschluss Mitwirkung an verschiedenen Grabungsprojekten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg als Grabungsleitung. Erfahrungen bei Ausstellungskonzeptionen und als Museumsführer. Als Mutter zweier kleiner Kinder mittlerweile freiberuflich als Archäologin und Museumspädagogin an Kindergärten und Schulen tätig.


Kommentare

Dellach – Archäologiepark Gurina oder Wandern mit Kultur — 1 Kommentar

  1. Pingback: Wandern mit Kultur rund um die Gurina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.