Kipfenberg – Römer und Bajuwaren Museum

Der Schlitten vom Nikolaus unterm Dach

Was macht man an einem Sonntag Anfang Januar, wenn das Wetter ehr dem im April ähnelt und einen draußen der Wind von den Beinen zu blasen droht? Man besucht mal wieder ein Museum. – Dieses Mal fiel die Wahl auf das Römer und Bajuwaren Museum auf der Burg Kipfenberg mit dem Infopoint Limes.

Die eigentliche Burg Kipfenberg befindet sich in Privatbesitz und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. In einem rückwertig gelegenen ehemaligen Stallungsgebäude ist aber das Römer und Bajuwaren Museum sowie der „Infopoint Limes“ als Ergänzung des Limes-Informationszentrums in Weißenburg i. Bay. untergebracht. Die Ausstellungsräume erstrecken sich dabei über insgesamt vier Etagen. Mit dem Infopoint Limes im UG beginnt der Rundgang.

Kipfenberg004Unser Gang durch das Römer und Bajuwaren Museums Burg Kipfenberg:

Kipfenberg003Direkt am Eingang steht ein Korb mit mehreren Kleiderstücken für die „Verwandlung in eine Römerin oder einen Römer“, ergänzt durch Kettenhemden und römische Helme für die Darstellung eines Limes-Soldaten auf einem anschließenden Regal. Wir haben uns auch gleich ans Anprobieren gemacht. Leider fanden sich in kleineren Kindergröße nur eine Toga und eine Art vorgegelegte und vorfixierte Tunika. Und auch wenn es noch spannender gewesen wäre, wenn die einzelnen zur Verfügung gestellten Kleidungsstücke in unmittelbarer Nähe ein wenig erklärt und auch jeweils bebildert worden wären, uns hat die Verwandlung Spaß gemacht. Die Kinder behielten ihre Stücke auch an, bis wir das UG wieder verließen.

Kipfenberg005Im ersten Raum des Infopoint geht es dann in erster Linie um die Darstellung des Limes im Allgemeinen und den Spuren römischen Lebens entlang seines Verlaufs. Auch die Geschichte der Limesforschung mit einigen schönen allgemeinen Erklärungen zur Archäologie und verschiedenen archäologischen Techniken wird thematisiert. Aus berufshistorischer Sicht fand ich dabei natürlich besonders die alten Grabungsaufnahmen spannend. Ergänzt werden diese Informationen in einer gemütlichen „Fernsehecke“, in der mehrere Filme zum Thema zur Auswahl stehen. Das Highlight des UG ist aber sicher die nachgestellte Wachstube eines Limesturms, in der viele Exponate nicht nur ausprobiert werden können, sondern auch sollen.

Kipfenberg006Das darüberliegende Stockwerk beheimatet dann das eigentliche Römer und Bajuwaren Museum. Hier sind die ersten Räume ebenfalls der römischen Epoche und dabei schwerpunktmäßig der Grenzbefestigung gewidmet. Da jetzt aber die Intention vor allem bei den lokalen Hinterlassenschaften des römischen Reichs liegt und diese auch mit reichlich Fundmaterial in den Vitrinen belegt werden, bekommt man trotz allem kein Wiederholungsgefühl. Allerdings kommen in erster Linie Hängevitrinen zum Einsatz, mit dem Ergebnis, dass sie für kleinere Kinder kaum einsehbar und somit ziemlich uninteressant sind. Etwas besser ist es da mit den wenigen Dioramen und den Installationen. Ansonsten gibt es für Kinder die Möglichkeit, sich einmal als Mosaikleger zu versuchen oder einen Limesturm im Kleinformat.

Kipfenberg007Während den verschiedenen Aspekten des (militärischen) römischen Lebens rund um Kipfenberg relativ viele Raum eingeräumt wird, beschränkt sich die Darstellung der Bajuwaren „nach dem Verlassen des römischen Imperiums“ weitgehend auf das Umfeld des „Krieger von Kemathen“. Seine nachgestellte Grabkammer bildet das Zentrum dieser Abteilung. Im Anschluss wird an Hand der Knochenfunde und Beigaben erläutert, welche Informationen über frühere Lebensumstände heutige Archäologen und Anthropologen noch aus diesen überkommenen Resten von Ausstattung, Kleidung aber auch des Skeletts ziehen können. Am Ausgang dieses Bereichs (zurück ins römische Reich) gibt es dann nochmal einen Hinweis auf eine weitere „Verwandlungsstation“. Leider wurde zum Zeitpunkt unseres Besuches hier lediglich der Nachbau eines germanischen Holzschildes zur Verfügung gestellt.

Kipfenberg008Nachdem bis zu diesem Zeitpunkt das damalige Leben beider Volksgruppen, denen dieses Museum gewidmet ist, fast ausschließlich an Hand von Militaria bzw. Funden aus dem Umfeld von Kriegern dargestellt wurden, erwarteten wir für den dritten Stock nun einen Ausstellungsbereich, der sich mehr dem alltäglichen Leben der Bevölkerung zuwendet. Leider wurden wir hier nun enttäuscht. Der dritte Stock beherbergt neben der Kreativwerkstatt für museumspädagogische Programme den Raum für aktuelle Sonderausstellungen. Im Moment handelt es sich um eine Fotoausstellung mit Naturaufnahmen aus dem Altmühltal, schön anzusehen, aber für uns aus beschriebenem Grund von geringem Interesse. Daher warfen wir einen Blick in die offen zugängliche Kreativwerkstatt. Gerade im Zusammenhang mit der benachbarten Bilderausstellung, die für Kinder in der Regel ehr weniger von Interesse ist, wäre hier die Bereitstellung von etwas Kreativmaterials wie Malbögen oder historischer Spiele auch außerhalb der offiziellen Programme begrüßenswert gewesen. So gingen wir relativ schnell weiter in das abschließende Dachgeschoss.

Da an der Wand des Aufgangs ein rekonstruierter Holzpflug an einen illustrierten Ochsen gespannt war, machten wir uns frohen Mutes daran, die letzte Treppe zu erklimmen. Umso überraschter waren wir dann, als wir uns im „volkskundlichen Archiv“ wiederfanden.

Kipfenberg009Auf engstem Raum finden sich hier geologische Sammlungen, volkskundliche Materialien in Form von Werkzeugen verschiedenster Handwerke, landwirtschaftliches Gerät unterschiedlichster Epochen, Devotionalien verschiedener Religionen in trauter Einheit neben Militaria und vieles mehr. Unter anderem hing an der Decke auch ein kleiner Pferdeschlitten, der unsere Große beim Eintretren zur Überzeugen kommen lies, wir hätten „den Schlitten vom Nikolaus“ gefunden. Mit zwei Kindern im Kindergartenalter war dieses „Archiv“ im Grunde aber nicht zu besichtigen und weil beide in der voll gestellten und in kaltes Neonlicht getauchten Atmosphäre auch Angst empfanden, machten wir uns auch relativ schnell wieder an den Abstieg.

Wir liesen dann den Museumstag in dem kleinen, dem Eingangsbereich angegliederten Museumscafé ausklingen. Und weil sich im gleichen Raum auch noch der Museumsshop mit all seinen Verlockungen befand, wurde es nicht nur für uns, sondern auch für die Museumskasse ein äußerst lukrativer Tag.

Auf dem Rückweg machten wir dann trotz stürmischer Winde und leichtem Graupel noch einen kurzen Stopp am geographischen Mittelpunkt Bayerns, der direkt an der Zufahrtsstraße zur Burggelegen ist. Hierüber soll aber an anderer Stelle berichtet werden.

Unser Fazit zum Römer und Bajuwaren Museums Burg Kipfenberg:

Beim Durchgang durch die Ausstellung kann man durchaus merken, dass der Infopoint Limes eine externe Ergänzung des Ausstellungsprogramms darstellt, da dieser und die eigentliche Römerausstellung leider konzeptionell nicht wirklich aufeinander abgestimmt sind. Und vielleicht auch deswegen kommt der zweite namensgebende Teil der Bajuwaren zumindest in meinen Augen etwas zu kurz.

Dennoch bietet das Römer und Bajuwarenmuseum auf der Burg Kipfenberg viele liebevolle Ansätze, die den Besuch durchaus zu einem positiven Erlebnis für die gesamte Familie machen. Und auch wir werden wahrscheinlich in ein paar Jahren nochmal wiederkehren, um nachzuschauen, ob der Nikolaus noch immer seinen Schlitten unter’m Dach parkt.

Kipfenberg – Römer und Bajuwaren Museum:  

Über carmen

Archäologin - Studium der Vor- und Frühgeschichte, vergleichende Religionswissenschaft und Ethnologie in Bonn mit Magisterabschluss Mitwirkung an verschiedenen Grabungsprojekten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg als Grabungsleitung. Erfahrungen bei Ausstellungskonzeptionen und als Museumsführer. Als Mutter zweier kleiner Kinder mittlerweile freiberuflich als Archäologin und Museumspädagogin an Kindergärten und Schulen tätig.


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