Hallein – Keltenmuseum oder „kURt, der URgeschichte-Wurm“

Nach der doch sehr ernüchternden Erfahrung in der Vorwoche im Kelten Römer Museum Manching machten wir uns direkt nochmal auf, den Kelten in einem neuen Museum eine neue Chance zu geben. Unsere Wahl fiel auf das Keltenmuseum in Hallein bei Salzburg. Und was soll ich sagen? Es war die richtige Entscheidung mit der richtigen Wahl. Denn am Ende meinten beide Kinder es hätte ihnen Spaß gemacht und beim Abendessen fiel sogar die Frage nach dem nächsten Museumsbesuch.

Einen großen Anteil an diesem positiven Museumserlebnis hatte bestimmt auch der ganz neu konzipierte und erst im November letzten Jahres eröffnete erste Teil der Dauerausstellung: „Zeitsprünge – Ursprünge“ zur Urgeschichte des Landes Salzburg. Keltenmuseum Hallein - "Zeitsprünge - Ursprünge"Neben klassischen bodentiefen Standvitrinen kommen hier vor allem auch Informationsinseln mit einer Vielzahl an „Fenstern in die Vergangenheit“ zum Einsatz. Diese haben zwei große Vorteile gerade auch bei einem Museumsbesuch mit Kindern: zum einen bieten großzügig verteilte Stufen, die laut der Homepage des Museums an die verschiedenen Sedimentschichten angelehnt sind, in erster auch kleinen Kindern die Möglichkeit wie die Erwachsenen einen Blick von oben auf die Fundstücke zu werfen, zum anderen ermöglichen Öffnungen an der Seite auch den kleineren einen Einblick „auf Augenhöhe“. Zusätzlich werden die Kinder durch die Zurverfügungstellung kleiner LupenKeltenmuseum Hallein - "Zeitsprünge - Ursprünge" aufgefordert, sich die Ausstellungsstücke auch mal genauer anzuschauen und so auch kleine Details zu entdecken. Überhaupt wird hier neben den Informationen für die erwachsenen Besucher auch viel Wert darauf gelegt, den Nachwuchs für Geschichte und Geschichtsforschung zu interessieren. Dazu tritt in jedem Raum „kURt, der URgeschichte-Wurm“ auf, mit Fragen, Anregungen zum Experimentieren und zum Parallelen in die kindliche Lebensrealität ziehen sowie mit kindgerechten Erklärungen. Neben modernen Touchscreen-Anwendungen auf Kinderhöhe kommen hierzu aber auch viele ganz einfach mit Papier und Bleistift ausgestattete Stationen, eine „Fundkiste“ zum Sortieren oder auch mal eine Waage oder Tasträume zum Einsatz. Das Ergebnis: ruhige Kinder, die sich auch mal Zeit zum Betrachten und Erforschen nehmen und entspannte Eltern, die in Ruhe Informationen aufnehmen können.Keltenmuseum Hallein - mit kUrt durchs Museum

wpid-keltenmuseum-hallein-lederschuhe-aus-dem-salzbergwerk-rekonstruktionen-.jpg.jpegAllerdings gilt auch für das Keltenmuseum Hallein der bekannte Spruch: „Wo Licht ist, ist auch Schatten“. kUrts Begleitung endet nämlich leider im EG. In den übrigen beiden Stockwerken fehlen Erlebnisstationen für Kinder zum aktiven Begreifen der Geschichte quasi ganz, was die Verweildauer als Familie in diesen Räumen im Verhältnis zum ersten Teil deutlich verkürzt hat. Zugegebenermaßen ist die zweite Ausstellungseinheit rund um den Dürrnberg auch nicht schlecht gemacht: die einzelnen Räume sind speziellen Themen wie dem Dürrnberg und dem (dortigen) Salzbergbau wpid-keltenmuseum-hallein-textilverarbeitung.jpg.jpegan sich, dem umgebenden Siedlungswesen oder den angrenzenden Gräberfeldern, der neuen La-téne-Zeit mit den Veränderungen im Stil und Bewaffnungswesen, aber auch der damaligen medizinischen Versorgung und der speziellen Bestattungsform der Fürstengräber gewidmet. Alle Einheiten sind gut erklärt und werden mit Hilfe von Skizzen, zeichnerischen Darstellung z.B. einzelner Handwerke und Installationen wie einem Webhaus oder den Grablegen optisch leicht aufnehmbar veranschaulicht. Auch die Funde sind übersichtlich wpid-keltenmuseum-hallein-im-dürrnberg-.jpg.jpegdargestellt und häufig werden den Originalstücken Rekonstruktionen gegenübergestellt. Nur leider zielt all dies eben mehr auf den erwachsenen oder zumindest jugendlichen Besucher ab. Vielleicht auch auf Grund der besonderen Ansprache der Kinder im EG interessierten sich unsere Kinder nun kaum mehr für die hier gezeigten Stücke, sondern waren stetig auf der Suche nach kUrt und seinen Aufgaben. Es gab zwar immer wieder Bereiche, wo wir ihre Aufmerksamkeit kurz fesseln konnten, aber sie (und somit auch wir) vermissten doch sehr die haptischen Angebote.wpid-picsart_1422888324531.jpgEntsprechend ungern wollten sie dann auch in das zweite OG weitergehen. Dieser Bereich ist in zwei große Themenbereiche unterteilt: Zum einen die Wiederbelebung des Salzabbaus am Dürrnberg im 12. Jahrhundert und dem hier nun eingeführten Laugverfahren durch die Fürstbischöfe Keltenmuseum Hallein - auf dem Rutschbalkenvon Salzburg mit dem Ausbau des Salzhandels und damit verbunden dem wirtschaftlichen Aufstiegs Halleins. Zum anderen die Darstellung der fürstlichen Macht durch die drei Fürstenzimmer, an deren Wänden wiederum aufgemalte Bilder des Arbeitslebens der Bergleute und Sieder den Bezug zur wirtschaftlichen Grundlage dieser Macht herstellen. Neben diesem ob seiner Wandgestaltung wirklich sehenswerten Raumensemble, ist das eigentliche Highlight dieser Etage aber sicher das begehbare Stollenmodell, in dem zumindest ein wenig ein Gefühl für die dort herrschende Enge und die damaligen Arbeitsbedingungen aufkommt und das man auf einem Rutschbalken wieder verlässt. Da wir zum Zeitpunkt unseres Besuches die einzigen Gäste auf dieser Museumsebene waren, ließen wir die Kinder gewähren, die von diesem Rutscherlebnis nicht genug bekommen konnten. Während sie dabei von jeweils einem Elternteil beaufsichtigt wurden, konnte sich der andere in Ruhe den Rest der Ausstellung anschauen.Keltenmuseum Hallein - FürstenzimmerAm Ende bleibt uns eigentlich nur zu wünschen, dass kUrt auch noch in den Ausstellungsbereichen im ersten und zweiten OG Einzug hält und dass dieses doch sehr große Haus ein Museumscafé erhält, in dem man den Besuch ausklingen lassen oder auch mal eine Pause zwischendurch einlegen kann. Wir sind sicherlich nicht das letzte Mal hier gewesen und vielleicht haben wir ja Glück und der eine oder andere verbliebene Wunsch (oder auch beide) an dieses Museum ist bis dahin in Erfüllung gegangen.

2015-01-25 12.57.18Zu guter Letzt soll nicht unerwähnt bleiben, dass wir schon vor Betreten des Ausstellungsbereichs von dem Keltenjungen Cleverix vom Dürrnberg mit seiner Stempelbox und einer Frage zum Museum begrüßt wurden. Auf Nachfrage an der Kasse erhielten wir einen Flyer mit insgesamt 24 Stempelstationen an verschiedenen Ausflugszielen im Tennengau, an denen jeweils Cleverix mit einer Frage wartet. Ohne zeitliche Begrenzung für die Besuche können sich die Kinder hier eine Cleverix-Belohnung, eine Cleverix-Überraschung biswpid-picsart_1422886984302.jpg hin zu einem Cleverix Hauptpreis für alle Stempel erarbeiten. Wir werden wahrscheinlich nicht alle weiteren 23 Ausflugsziele besuchen, aber die eine oder andere Anregung ist schon dabei…

Hallein – Keltenmuseum oder „kURt, der URgeschichte-Wurm“:  

Über carmen

Archäologin - Studium der Vor- und Frühgeschichte, vergleichende Religionswissenschaft und Ethnologie in Bonn mit Magisterabschluss Mitwirkung an verschiedenen Grabungsprojekten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg als Grabungsleitung. Erfahrungen bei Ausstellungskonzeptionen und als Museumsführer. Als Mutter zweier kleiner Kinder mittlerweile freiberuflich als Archäologin und Museumspädagogin an Kindergärten und Schulen tätig.


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