Manching – Kelten Römer Museum

Am Ende ist nicht alles Gold, was glänzt

Da das Winterwetter weiterhin Kapriolen schlug, machten wir uns am dritten Januarwochenende auf, endlich ein Museum zu besuchen, das schon lange auf meiner Wunschliste stand: das „Kelten Römer Museum“ in Manching. Immerhin wurde mir ja schon im Studium die Sonderstellung des Oppidums von Manching als lange Zeit einziger bekannter keltischer Fürstensitz in der Ebene und noch dazu mit langer und großflächiger Forschungsgeschichte vermittelt. Entsprechend groß waren auch die Erwartungen.

Manching 001Und hier beginnt jetzt auch schon mein Dilemma im Zusammenhang mit diesem Bericht. Rein fachlich war im Grunde alles da, was ein Archäologe gemeinhin mit Manching in Verbindung bringt: die herausragenden und vielfach publizierten Funde, angefangen beim goldenen Kultbäumchen und dem Schatzfund von 1999, über die verschiedenen kunstvollen Plastiken, die wohl dem kulturell-religiösen Bereich zuzuordnen sind, bis hin zu Alltagsgegenständen und Schmuck aus Metall, Glas und Ton und natürlich auch die Schiffsfunde von Oberstimm. Das alles ist in dem zweigegliedertem Museum ausgestellt, wobei der erste Gebäudeabschnitt dem keltischen Oppidum gewidmet ist und der zweite römischen Funde mit Schwerpunkt auf den beiden Schiffen.Manching 002

Unser Gang durch das „Kelten Römer Museum“ in Manching

Während die Archäologin in mir also noch leidlich zufrieden ist, weil sie bisher nur aus Publikationen bekannte Stücke jetzt auch mal „live“ sehen konnte, ist die Museumspädagogin und Mutter in mir doch mehr als enttäuscht. Im keltischen Bereich finden sich verschiedene Präsentationsformen: die linken Seite des Raums, vor einer kahlen und dunklen Betonwand, wird von einer Reihe relativ vollen länglichen Hängevitrinen dominiert, wobei sich die Zusammenstellung der darin befindlichen Ausstellungsstücke nicht immer gleich erschließt. Davor findet sich eine weitere Reihe von in den Boden eingelassenen quadratischen Vitrinen, deren Glashauben etwa einen halben Meter aus dem Boden ragen. Sie sind mehr oder weniger symbolisch einzelnen exemplarischen „Lebensfeldern“, wie Eisen, menschliche Knochenfunde, Abfall, Kochstelle oder rituell niedergelegten Waffen, gewidmet.

Manching 004Die rechte Hälfte des Raums ist dann komplett anders aufgebaut: Etwa das erste Drittel nimmt das 1:1 Modell einer Hausecke ein, an dem u.a. wohl die für Manching anzunehmenden parallel vorkommenden Wandkonstruktionen Flechtwerk und Spaltbohlen sowie ein möglicher Verschlussmechanismus der Haustür verdeutlicht werden sollen. Leider sind hier die Beschreibungen genauso spärlich, wie bei den zuvor beschriebenen Vitrinen, und auch für das zentrale Modell der Bebauung des Oppidums im „Inneren“ des Hauses fehlen eindeutig zuordbare umfängliche Erläuterungen. Manching 005

Manching 006Daran anschließend folgt ein durch textile Bahnen abgehängter Schauraum, der den gefundenen Kultgegenständen gewidmet ist und der eine Art erste „Schatzkammer“ bildet. Auf der Rückseite schließt sich eine querstehende lange Vitrine mit den verschiedensten Keramikformen an, die wohl in Bezug zu der etwas entfernt in einer Bodenvitrine ausgestellten Lochtenne eines Töpferofens stehen soll. Leider fehlt auch hier jegliche direkte Beschreibung oder gar eine Rekonstruktion(szeichnung). Links davon, etwas aus der Sichtachse vom Eingang verschoben ist ein weitere kreisrunde Ausstellungsfläche mit einem schwarzen Vorhang abgetrennt. Hierin dann, in einem stilisierten runden Schacht in den Boden eingelassen und von oben durch einen Glasscheibe einsehbar, der Goldmünzenschatz. Auch hier fehlen deutliche Einordnungen dieser Münzen in den historisch-geographischen Zusammenhang. Den Abschluss des keltischen Bereichs bildet ein weiteres Modell, diesmal des Osttores vor einer „Murus Gallicus“ an der Wand.

Manching 007Auf dem Weg in den römischen Bereich kommt man dann am Vorführraum vorbei. Der hier in Dauerschleife laufende Film zeigt ausführlich die Forschungsgeschichte Manchings und gibt u.a. auch einen guten Überblick über die in Manching vertretenen Gebäudeformen. Allerdings ist er ob dieser Ausführlichkeit auch ziemlich lang.

Manching 008Schwerpunkt des zweiten Museumsteils sind dann die Überreste der beiden in der Nähe des Kastells Oberstimm gefundenen römischen Frachtschiffe. Diese sind quasi im UG ausgestellt und fallen erstmals von der balkonartigen Empore nach dem Übergang in den Blick. Auf dieser der Galerie finden sich zusätzlich u.a. noch Modelle der Donaubrücke bei Steppberg, des Kastells von Oberstimm und eines römischen Frachtschiffs. Ergänzt wird der römische Komplex durch eine Reihe in die Wand eingelassener Vitrinen mit verschiedenen Funden aus dem Umfeld des Kastells. Alles in allem fällt dieser Bereich in meinen Augen aber sehr gegenüber dem Raum über das Oppidum ab, ja ist fast als stiefmütterlich behandelt zu bezeichnen.

Manching 009Diese subjektive Einschätzung des Verhältnis der beiden Ausstellungsbereiche des „Kelten Römer Museums“ in Manching bildet nun auch den Übergang zur meiner Bewertung aus museumsdidaktischer Sicht: Wie schon im Text mehrfach erwähnt, hat sich uns weder die Aufbaustruktur der gesamten Ausstellung wirklich erschlossen, noch war die Zusammenstellung einzelner Vitrinen/Abteile immer klar herleitbar. Es gibt zwar begleitende Texte, diese sind aber zum größten Teil für sich separiert auf schmalen hängenden Tafeln angebracht, die in der Sichtflucht vom Eingang her so gut wie gar nicht auffallen und von daher größtenteils auch leicht übersehen werden. Andere Texte stehen weit oberhalb des Sichtfeldes auf dem oberen Rahmen der Vitrinen und sind überhaupt nur in unbequemer Haltung mit weit in den Nacken gelegten Kopf zu lesen.Manching 010vWer mehr über das keltische Leben in Manching erfahren will, wird sicher enttäuscht. Es fehlen schlicht Inhalte zum historischen Alltag. Der interessierte Laie kann sich diesen aus den ausgestellten Metallgegenständen und Keramiken kaum erschließen. Auch die Modelle an sich sind nicht berede. Hier wären sicher einige Illustrationen mit prägnanten Titeln/Beschreibungen und/oder Stationen zum „begreifen“ hilfreich. Beides würde auch helfen (kleinen) Kindern die Geschichte näher zu bringen. Überhaupt ist das Museum (außerhalb spezieller Führungen) wohl ehr für Erwachsene oder Familien mit größeren Kindern/Jugendlichen geeignet. Die Hänge-/Standvitrinen sind erst ab einer Körpergröße von etwa 1,20 m überhaupt sinnvoll einsehbar, das gleiche gilt für die hoch angebrachten Textfahnen und Beschriftungen. Auch die wenigen Videoabspielplätze (insgesamt 2) konnten das Museum nicht beleben, da es ihnen an Interaktivität und Informationsgehalt fehlte. Die Bodenvitrinen wären zwar als Ansatz tauglich, jedoch war es bei unserem Besuch nicht erwünscht, dass sich die Kinder mit den hier ausgestellten Objekten näher beschäftigen, da dies unweigerlich auch mit einem leichten Aufstützen auf der Deckelplatte einherging. Ständige Ermahnungen zurückzutreten demotivieren aber extrem und nach dem dritten abgeschmetterten Versuch etwas zu wahrzunehmen gibt jedes Kind auf. Und auch die engagiertesten Eltern verlieren den Faden, wenn ihnen nur noch das Museumspersonal auf den Füßen steht, damit die Kinder ja nichts „Falsches“ machen. Wenn dann noch weitere Möglichkeiten zum „Begreifen“ fehlen, muss man sich nicht wundern, wenn sich die Kinder letztendlich auf das einzige bewegliche Teil im ganzen Museum, die Tür an der Hausrekonstruktion, stürzen. Ich hätte unseren Kindern wirklich gerne am Beispiel dieses außergewöhnlichen Fundortes wieder ein kleines weiteres Stück Geschichte näher gebracht. So muss ich jetzt leider erstmal hoffen, dass ihnen dieser Besuch nicht ihre bisherige Freude an Museumsbesuchen vergrämt hat.Manching 011

Unser Fazit zum „Kelten Römer Museum“ in Manching

Ganz ehrlich, ich lasse dieses Museum hinter mir mit dem Gefühl, dass sich hier auf der einen Seite einige Designer verwirklichen und auf der anderen Seite Archäologen ihre Top-Funde präsentieren wollten. Beides zusammenzubringen und dem interessierten Laien gleichzeitig auch noch Kenntnisse über die Latène-Zeit zu vermitteln, wurde dabei leider versäumt. Das ist umso bedauerlicher, da das „Kelten Römer Museum“ in Manching ja noch nicht mal 10 Jahre alt ist und trotzdem anscheinend die einfachsten heute gültigen didaktischen Grundlagen nicht berücksichtigt wurden. Vielleicht hätte im Vorfeld ein Blick in das etwa 50 km donauabwärts gelegene archäologische Museum in Kelheim geholfen. Hier wird fast schon perfekt mit einem ebenfalls offenen Raum umgegangen, es werden dabei wichtige Funde präsentiert, es werden sowohl Laien als auch das Fachpublikum angesprochen und auch die Kinder als Besucher von morgen werden mitgenommen.

Ohne den Inhalt der ebenfalls angebotenen Audioguides zu kennen, muss ich abschließend daher zu der Erkenntnis kommen, dass ein selbständiger Besuch des „Kelten Römer Museum“ Manching im Grunde nur rein ästhetisch interessierten Erwachsenen und Jugendlichen zu empfehlen ist. Wer mehr über das Leben in keltischem und/oder römischem Umfeld lernen will, ist andernorts sicher besser aufgehoben. Die Audioguides mögen eine sinnvolle Ergänzung sein und während unserer Zeit im Museum wurden sie zumindest von zwei Besuchern intensiv genutzt. Sie dürfen aber immer nur Ergänzung sein. Eine frei zu besuchende Ausstellung muss sich auch ohne sie erschließen, denn nicht jeder mag einen Audioguide nutzen und viele Hörgeschädigte können ihn nicht nutzen.

Manching 012Das Museum selbst werden wir aus den beschriebenen Gründen sicher so schnell kein zweites mal besuchen. Allerdings wollen wir, bei besseren Wetterbedingungen durchaus noch einmal nach Manching kommen, um uns die erhaltenen und rekonstruierten Außenanlagen des Oppidums anzuschauen.

Manching – Kelten Römer Museum:  

Über carmen

Archäologin - Studium der Vor- und Frühgeschichte, vergleichende Religionswissenschaft und Ethnologie in Bonn mit Magisterabschluss Mitwirkung an verschiedenen Grabungsprojekten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg als Grabungsleitung. Erfahrungen bei Ausstellungskonzeptionen und als Museumsführer. Als Mutter zweier kleiner Kinder mittlerweile freiberuflich als Archäologin und Museumspädagogin an Kindergärten und Schulen tätig.


Kommentare

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