Almas geheimer Garten. Mit der Hammelmöhre in die Steinzeit

Buchrezension

Es ist nun auch schon wieder ein paar Wochen her, da hatten wir hier bei uns Besuch von Flora dem Reiseschaf. Flora ist ein nettes wissbegieriges kleines Ding, die für ihr Leben gerne Gänseblümchen mag und durch den deutschsprachigen Raum reist, mit einem Wanderbuch für Kinder im Gepäck: “Almas geheimer Garten. Mit der Hammelmöhre in die Steinzeit.” von Birgit Hedemann, erschienen 2015 im Südpolverlag.

Wie der zweite Teil des Titels schon verrät, handelt es sich dabei nicht um irgendein Kinderbuch, sondern um eines, das zumindest zu einem großen Teil in der Steinzeit spielt. Und da es noch dazu für Erstleser bzw. als Vorlesebuch im Vorschulalter konzipiert ist, weckte der Aufruf von Floras “Mama” Birgit in den sozialen Medien im vergangenen Mai auf der Suche nach “Gasteltern” für ihr Reiseschaf mein Interesse. Leider war ich damit nicht alleine und es dauerte am Ende bis in den Januar diesen Jahres, bis wir Flora endlich bei uns begrüßen durften.

Aber was soll ich sagen: das Warten hat sich gelohnt. Nicht nur, dass sich Flora direkt mit meinem Praktikanten Malte angefreundet hat und ganz viel über Archäologie lernen wollte, worüber ich unter dem Hashtag #floradasreiseschaf ja auch fleißig auf Facebook berichtet habe. Sie brachte uns auch ein wirklich spannendes Buch mit, das ich euch im folgenden nun näher vorstellen möchte.

Zum Inhalt von “Almas Geheimer Garten. Mit der Hammelmöhre in die Steinzeit”

“Almas geheimer Garten. Mit der Hammelmöhre in die Steinzeit” ist der Gewinner des Südpol Kinderbuch-Wettbewerb 2014 und der Auftakt zu einer mittlerweile schon auf drei Bände angewachsene Reihe, die auf kindgerechte Weise das Thema Zeitreise aufnimmt und dabei auch viel Wissenswertes über historische Pflanzen und frühere Epochen vermittelt.

Bei den Hauptprotagonisten aller Bücher handelt es sich um zwei aufgeweckte Kinder, die 11jährige Mette und ihren gleichaltrigen Cousin Theo, sowie eine etwas schrullige alleinstehende Dame namens Alma.

Eines Tages beobachten die Kinder einen Polizeieinsatz in einem Garten in der Nachbarschaft ihrer Schule. Da sie der Ursache hierfür auf den Grund gehen möchten, klettern sie noch am gleichen Nachmittag durch einen Loch im Zaun des selbigen Gartens. Hierbei laufen sie Alma, der Bewohnerin des Anwesens, in die Arme. Diese hält sie zuerst für erneute Einbrecher, denn am Morgen wurde ihr Garten von Unbekannten verwüstet. Schon bald fast sie aber Vertrauen zu den Kindern und erzählt ihnen eine fast unglaubliche Geschichte.

Almas Garten ist tatsächlich kein gewöhnlicher Garten. Nur in ihm wuchsen noch die eigentlich schon ausgestorbenen Urformen unserer heutigen Nutzpflanzen. Durch den Einbruch wurden nun aber fast alle diese Pflanzen zerstört. Alma sieht ihr Lebenswerk vernichtet und ist sehr verzweifelt. Sie selbst kann nämlich den einzigen Weg neue Samen für die Pflanzen zu gewinnen nicht nutzen: den magischen Tulpenbaum, der einen mit Hilfe eines Amuletts in der Zeit zurückbringt.

Theo schenkt dieser Geschichte nur wenig Glauben. Aber Mette ist sofort Feuer und Flamme und bietet Alma ihre Hilfe beim Sammeln von neuen Samen an. Da diese Zeitreisen aber nicht so ungefährlich sind, ist Alma anfangs noch wenig überzeugt von der Idee. Schließlich gibt sie aber doch nach. Und so macht sich Mette schon bald mit Hilfe des Tulpenbaums auf zu ihrer ersten Zeitreise, auf der Suche nach den Samen der Hammelmöhre, die wir heute besser unter dem Namen Pastinake kennen.

Diese Reise führt Mette zurück bis in die Steinzeit, wo sie das Mädchen Ela und ihre Familie kennenlernt, auf der Suche das ein oder andere Abenteuer erlebt und ganz nebenbei auch noch viel interessantes über diese längst vergangene Epoche erfährt.

Ob Mette am Ende die Samen der Hammelmöhre tatsächlich findet und auch wieder mit nach Hause bringt und was ihr denn nun so genau in der Steinzeit widerfährt, werde ich hier selbstverständlich nicht verraten. Was ich euch aber verraten kann: es ist ein wirklich lesenswertes Buch.

Mein Fazit zu “Almas geheimer Garten. Mit der Hammelmöhre in die Steinzeit.

Kinder ab 4 Jahre können der Geschichte durch eine gute Strukturierung leicht folgen. Die einzelnen Kapitel sind übersichtlich und kurz gehalten, so daß man hier je nach Aufnahmefähigkeit der Kinder die Vorlesedauer leicht dosieren kann. Gleichzeitig wird ein steter Spannungsbogen aufrecht erhalten, der es schwer macht, das Buch tatsächlich vor dem Ende zur Seite zu legen. Einzig für echte Lesestarter ist es bisweilen noch etwas schwer, da die Sätze teilweise etwas länger ausfallen und so die Strukturierung und Informationsverarbeitung für die Kinder noch anstrengend und ermüdend sein kann. Sobald hier aber auch etwas mehr Routine vorhanden ist, dürfte das aber auch kein Hindernis mehr darstellen. Bei uns wurde es so aber am Ende doch ein reines Vorlesebuch.

Was mir persönlich aber natürlich besonders gut gefallen hat ist, dass die Autorin Birgit Hedemann merklich Zeit in die Recherche investiert hat und ein Bild der Steinzeit zeichnet, das fern vom Klischee des keulenschwingenden und nur mit einem Fell behangenen Höhlenmenschen ist. Natürlich kann in der Kürze des Buches keine umfängliche Wissensvermittlung stattfinden. Vor allem wenn man bedenkt, dass es DIE Steinzeit so ja auch nicht gibt, sondern wir beginnend bei der Altsteinzeit bis zum Sprung zur Seßhaftigkeit in der Jungsteinzeit und dem Übergang zu den Metallzeiten selbst hier in Mitteleuropa von einer Zeitspanne von fast 700.000 Jahren mit manigfaltigen Entwicklungen sprechen. Aber die Bilder, die vermittelt werden, sind für die ausgehende Mittelsteinzeit stimmig und geben einen ersten Einblick in die eine oder andere Besonderheit der damaligen Lebensumstände von der Bekleidung, über das Wohnen bis hin zur Speisezubereitung. Unterstützt wird das auch durch die auf jeder Doppelseite vorhandenen liebevollen s/w-Illustrationen von Maria Ernicke.

Von daher kann ich “Almas geheimer Garten. Mit der Hammelmöhre in die Steinzeit” auf jeden Fall empfehlen. Hier wird für Kinder ab 4 Jahren in verständlicher Form eine spannende Rahmenhandlung unmerklich mit der Vermittlung von Wissen über die Geschichte unserer heutigen Nutzpflanzen und zu historischen Kulturen verwoben. Und durch den Cliffhänger am Ende, der einen ahnen lässt, dass hinter der Verwüstung von Almas geheimen Garten mehr steckt, als diese zugeben will, wird zusätzlich Lust auf mehr gemacht.

Wir können es auf jeden Fall kaum mehr erwarten, auch Mettes und Theos Abenteuer bei den Wikingern und zur Zeit Goethes auf der Suche nach den Samen von Saubohne und Schinkenwurz nachzulesen. Und vielleicht löst sich dann ja auch das Geheimnis des Unbekannten, der so viel gegen Almas geheimen Garten zu haben scheint, ein wenig auf….

Almas geheimer Garten. Mit der Hammelmöhre in die Steinzeit:  

Über carmen

Archäologin – Studium der Vor- und Frühgeschichte, vergleichende Religionswissenschaft und Ethnologie in Bonn mit Magisterabschluss

Mitwirkung an verschiedenen Grabungsprojekten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg als Grabungsleitung. Erfahrungen bei Ausstellungskonzeptionen und als Museumsführer.

Als Mutter zweier kleiner Kinder mittlerweile freiberuflich als Archäologin und Museumspädagogin an Kindergärten und Schulen tätig.



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